Da diese Seite auch über die Krankheit informieren möchte, haben wir hier einige Textpassagen der Medical World zitiert.
Zusammenfassung
Der Morbus Crohn ist eine in Schüben verlaufende chronisch-entzündliche
Darmerkrankung, deren Ursache (ätiologie) und Entstehungsweise
(Pathogenese) bis jetzt noch nahezu unbekannt ist. Die Entzündung kann
alle Anteile des Verdauungstraktes betreffen, am häufigsten ist sie
jedoch im Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm lokalisiert.
Typisches Symptom sind immer wieder auftretende Durchfälle, die von
krampfartigen Schmerzen vor allem im rechten Unterbauch begleitet sein
können. Bei der Mehrzahl der Betroffenen kommt es nach langjährigem
Krankheitsverlauf zu Komplikationen wie Fistelbildung, Abszessen oder
Darmverschluss, die häufig eine Operation erforderlich machen. Die
endgültige Diagnose wird mittels Darmspiegelung, Röntgen, Ultraschall
und Laboruntersuchungen gestellt. Die Therapie richtet sich nach dem
Schweregrad der Erkrankung und reicht von durchfallhemmenden
Medikamenten über Kortison sowie andere entzündungshemmende und
immunsuppressive Mittel bis hin zur Operation.
Ursachen (ätiologie)
Die Ursachen sind nach wie vor unbekannt. Man nimmt an, daß mehrere
Faktoren zusammen wirken müssen (multifaktorielle Genese). Diese
Annahme stützt sich auf folgende Beobachtungen bei
Morbus-Crohn-Patienten.
- familiäre Häufung (erbliche Veranlagung)
- Ernährungsfaktoren und Nahrungsbestandteile (z.B. erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten, z. B. weißer Zucker)
- Störung des Immunsystems
- psychosomatische Ursachen (Konfliktsituationen, Streß)
- Der Einfluß von Bakterien wie z.B. durch Mycobacterium paratuberculosis von Viren wird diskutiert.
Häufigkeit
Jährlich treten 2 bis 4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern auf.
Beide Geschlechter erkranken mit gleicher Häufigkeit. Die Erkrankung
befällt Personen jeden Alters, weist jedoch eine zweigipflige
Häufigkeitsverteilung auf und zwar zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr
sowie um das 60. Lebensjahr. Es wurde sowohl eine familiäre Häufung
beobachtet, als auch eine ethnische. Weiße erkranken etwa doppelt so
oft wie Farbige. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der
Neuerkrankungen insgesamt zugenommen.
Lokalisation
Der Morbus Crohn kann alle Abschnitte des Magen-Darm-Traktes befallen,
einschließlich der Speiseröhre. Bevorzugt betroffen werden: der untere
Dünndarmabschnitt (terminales Ileum) in ca. einem Drittel der Fälle,
der übergang zum Dickdarm (Ileokolon) in ca. 40%, Dickdarm und
Analkanal in ca. 25%, andere Abschnitte eher selten (<5%). Es können
gleichzeitig mehrere Darmabschnitte erkrankt sein, die durch gesunde
Abschnitte voneinander getrennt sind (segmentaler, diskontinuierlicher
Befall).
Symptome
Das wichtigste Symptom (Leitsymptom) ist ein flüssiger bis wässeriger
Stuhl (bei ca. 70% der Erkrankten), der häufig von krampfartigen
Schmerzen, besonders im rechten Unterbauch, begleitet wird. Blut- oder
Schleimbeimengungen im Stuhl sind eher selten. Viele Patienten zeigen
einen Gewichtsverlust als Folge von Eiweißverlusten über den Darm,
fühlen sich müde, abgeschlagen und haben keinen Appetit. Die Erkrankung
verläuft meist schubweise mit Fieber, einem Anstieg der weißen
Blutkörperchen (Leukozytose) und einer Anämie (Verminderung des roten
Blutfarbstoffes)
Diagnose
Zur Sicherung der Diagnose und Abgrenzung gegenüber anderen
entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere der Colitis ulcerosa,
bedarf es bildgebender und laborchemischer Untersuchungsverfahren. Dazu
gehören:
- Röntgen: Darstellung des Magen-Darm-Traktes duch Kontrastmittelfüllung
- Darmspiegelung (Endoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) und deren feingewebliche Untersuchung (Histologie)
- Ultraschall (Sonographie)
- Laboruntersuchungen (z.B. a 1 -Antitrypsin im Stuhl)
- Bakteriologische Stuhluntersuchung zum Auschluß erregerbedingter Darmentzündungen
Bei ca. 10% der Patienten mit einem Morbus Crohn des Dickdarmes gelingt
die Abgrenzung zur Colitis ulcerosa trotz umfangreicher diagnostischer
Maßnahmen nicht. In diesen Fällen ergibt sich die endgültige Diagnose
erst aus dem Krankheitsverlauf.
Komplikationen
Komplikationen betreffen in erster Linie den Darm. Dazu gehören:
1. Fisteln (bei ca. 30-50% der Patienten) Fisteln sind spontan
entstandene Verbindungen zwischen einem Hohlorgan und der
Körperoberfläche (äußere Fistel) oder einem anderen Hohlorganen (innere
Fistel). Sie haben eine schlechte Heilungstendenz und können immer
wieder auftreten (rezidivieren). Zeichen für eine Fistelbildung sind
z.B. verschmutzte Unterwäsche, Stuhl im Urin, bei Frauen auch
Stuhlabgang über die Scheide. Fisteln sind meist relativ schmerzlos.
Achtung: Beim Auftreten von Fisteln ist stets an einen Morbus Crohn zu
denken!
2. Abszessbildung (bei ca. 20% der Patienten) Abszesse sind
Eiteransammlungen in nicht vorgebildeten Gewebshöhlen. Abszessbildungen
finden sich insbesondere im Analbereich und sind äußerst
schmerzhaft.
3. Darmverschluß (Ileus) Der Darmverschluß kann sowohl Folge einer
Narbenbildung sein, als auch durch eine entzündliche Schwellung bedingt
sein. Im letzteren Fall kann er sich durch eine konservative Therapie
zurückbilden (siehe unten), eine Operation kann dann vermieden
werden.
4. Konglomerattumor Wenn entzündete Darmschlingen miteinander
verkleben, entsteht der Eindruck einer Geschwulstbildung. Man spricht
dann von einem Konglomerattumor. Dieser kann als "tastbare Walze"
bereits bei der körperlichen Untersuchung auffallen. Es handelt sich
nicht um eine bösartige Neubildung!
5. Darmdurchbruch (Perforation) Die Darmperforation ist eine
lebensbedrohliche Erkrankung. Sie erfordert eine sofortige
Operation.
6. Schwere Darmblutungen Die Blutverluste sind meist mit
Bluttransfussionen zu beherrschen. In seltenen Fällen kann eine
Operation notwendig werden. Dies muß bei Morbus-Crohn-Patienten sehr
zurückhaltend erfolgen.
Komplikationen des Morbus Crohn können auch außerhalb des Darmes
auftreten, sind aber seltener, es sind dies:
- Nieren- oder Gallensteine
- Gelenkentzündungen
- Entzündungen am Auge
- Entzündungen der Gallenwege (häufiger bei Männern)
- Hautveränderungen (Erythema nodosum)
Therapie
Das Ziel der Therapie besteht darin, die Symptome zu mindern, die
Intervalle zwischen den Krankheitsschüben zu verlängern, Komplikationen
zu vermeiden und operative Eingriffe so lange als mögliche
hinauszuschieben.
Die Ernährung von Morbus-Crohn-Patienten sollte kalorien- und
eiweißreich, leicht resorbierbar und zuckerfrei sein. Unverträgliche
Nahrungsmittel sind unbedingt zu meiden. Bei massiven Beschwerden kann
eine künstliche Ernährung notwendig werden.
Die medikamentöse (konservative) Therapie beschränkt sich bei geringen
Beschwerden auf die Gabe von durchfallvermindernden Medikamenten
(Antidiarrhoika), z.B. Imodium. Während der Krankheitsschübe werden oft
Kortikosteroide (oral oder intravenös) eingesetzt, besonders bei Befall
des Dünndarms. Die Therapie mit Salazosulfapyridin (Azulfidine) kann in
Form von Tabletten, Zäpfchen oder Klysmen erfolgen und wird bei
Dickdarmbefall bevorzugt. Zeigt diese Behandlung keinen Erfolg, kann
ein Medikament einegesetzt werden, das die Funktion des Immunsystems
unterdrückt (z.B. Imurek). Ein ebenfalls gut wirksames Mittel,
besonders bei Fistelbildungen und Abszessen, ist Metronidazol. Eine
prophylaktische Therapie zwischen den Erkrankungsschüben sollte nicht
durchgeführt werden, da ihr Erfolg bisher nicht gesichert werden konnte.
Eine psychosomatische Betreuung sollte neben der medikamentösen
Therapie erfolgen und im krankheitsfreien Intervall fortgesetzt werden.
Bei ca. 80% der Patienten wird nach ca. 10 Jahren Krankheitsdauer ein
operativer Eingriff erforderlich. Eine unbedingte Notwendigkeit zur
Operation besteht bei einem Darmverschluß (Ileus), einem Darmdurchbruch
(Perforation) und schweren Blutungen. Hier muß die Operation sofort
erfolgen. Ein operativer Eingriff sollte bei Abszessen, Fisteln und
Konglomerattumoren so lange wie möglich aufgeschoben werden, da die
Komplikationsrate hoch ist. In jedem Fall muß bei einer Operation die
Darmresektion sparsam durchgeführt werden, da eine Heilung nicht
möglich ist.
Prognose
Der Verlauf der Erkrankung ist nicht vorhersehbar. Obgleich die
Erkrankung nicht heilbar ist, werden mit Hilfe therapeutischer
Maßnahmen ca. 60-70% der Patienten symptomfrei. Fast die Hälfte der an
Morbus Crohn Erkrankten müssen mehrfach operiert werden. Ein gehäuftes
Auftreten von Krebs im Dünndarm wurde berichtet. Etwa ein Drittel der
Patienten wird jedoch arbeitsunfähig.
Colitis ulcerosa
Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche, meist in Schüben
verlaufende Darmerkrankung, die vom Mastdarm ausgeht und sich auf den
gesamten Dickdarm ausbreiten kann. Die krankheitsauslösende Ursache ist
unbekannt, der Krankheitsbeginn liegt meist zwischen dem 20. und 40.
Lebensjahr. Typische Symptome sind Durchfälle mit Schleim- und
Blutbeimengungen sowie Bauchschmerzen. Daneben kann es zu
Gewichtsverlust, Komplikationen von Seiten des Darmes (in 5-7%) und
Entzündungen in anderen Organen kommen. Nach langjährigem Verlauf ist
das Risiko der Entstehung von Darmkrebs erhöht. Die Diagnose erfolgt
durch Darmspiegelung, Röntgen, Ultraschall sowie Blut- und
Stuhluntersuchungen. Die Therapie besteht aus individueller
Vermeidungsdiät und entzündungshemmenden Medikamenten. Bei
Komplikationen kann eine Operation notwendig werden. Der Verlauf ist im
Einzelfall nicht vorhersehbar, die mittlere Lebenserwartung ist jedoch
nicht messbar eingeschränkt.
© A Med-World AG, Geändert am: 21.05.2001
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Aktuelle Meldung
- Intelligente Pille ermöglicht gezielte Behandlung (12.11.2008)
Entwicklung verspricht auch Vorteile für Arzneimittelentwicklung
http://www.pressetext.com/pte.mc?pte=081112023 - oder PDF-Download
- Endoskopie des Dünndarms mit der drahtlosen Videokapsel
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=33843 - oder PDF-Download
http://www.kapselendoskopie.de/
- Stillen halbiert Darmentzündungs-Risiko
Stillen senkt deutlich das Risiko des Kindes, später an chronischen
Darmentzündungen zu erkranken. Menschen, die als Babys gestillt wurden,
erkranken laut einer neuseeländischen Studie um 50 % seltener an Morbus
Crohn als Kinder, die per Flasche ernährt wurden. Je länger die
Stillzeit dauerte, desto geringer war die Erkrankungsgefahr. Die
Forscher vermuten, dass Kinder mit der Muttermilch schützende Bakterien
aufnehmen. 400 Patienten mit der chronischen Darmentzündung Morbus
Crohn wurden für die Studie untersucht. (Teletext im Ersten 27.07.2004)
- Die regelmäßige Einnahme eines
Parasiten-Cocktails kann entzündliche Darmerkrankungen lindern. Erste
klinische Tests haben den Erfolg der ungewöhnlichen Therapie bei Morbus
Crohn und Colitis ulcerosa bestätigt. Die Beschwerden gingen bei Morbus
Crohn-Patienten in den USA um bis zu 70 Prozent zurück, berichten
Wissenschaftler von der Universität Iowa.
Die Wurmdiät bestehe aus Eiern des Schweine-Peitschenwurms. Offenbar
hielten die Parasiten das Immunsystem davon ab, überaktiv zu werden.
Die Behandlung sei ungefährlich, so die Ärzte. (Teletext im Ersten
17.04.2004)
- Die Ursachen für die unheilbare
chronische Darmentzündung MC sind noch immer unbekannt. Französische
Forscher vermuten jetzt, dass Kühlschränke schuld sind. Denn dadurch
kommen wir leichter mit kälteresistenten Bakterien aus Lebensmitteln in
Berührung. Linderung verspricht eine Substanz, die z. Zt. getestet
wird. Sie hindert die Immunzellen daran, in den Entzündungsprozess
einzugreifen und ihn zu verstärken. (Guter Rat Nr.3/04 - Seite 67)
- In Deutschland erkranken jährlich 800
Kinder an der entzündlichen chronischen Darmkrankheit Morbus Crohn. Ein
möglicher Grund dafür sei der hohe Hygiene-Standard in den westlichen
Industrieländern, sagte der Sprecher der Vereinigung Morbus Crohn,
Schürer. Dadurch werde wahrscheinlich das Immunsystem geschwächt. Zudem
kann die Krankheit durch einen Gendefekt ausgelöst werden. Betroffen
sind laut Schürer deutschlandweit etwa 300.000 Menschen. (cu-info.de - 26.04.02)
- Die chronische Darmkrankheit Morbus
Crohn wird offenbar durch bakterielle Entzündungen begünstigt.
Kolibakterien nutzen nach einem Bericht der US-Fachzeitschrift
"Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) den Rezeptor
CD55 im Darm als Einfalltor. Das Eindringen der Bakterien führt zu
einer Abwehrreaktion, die schließlich chronische Entzündungen
hervorruft.
Die Krankheit ruft schmerzhafte Entzündungen vor allem im unteren
Darmabschnitt hervor, begleitet von Durchfall, Gewichtsverlust und
Müdigkeit. (ARD - Videotext 05.02.02)
- Münchner Wissenschaftler sind einem
Erfolgversprechenden Ansatz zur Therapie von MC auf der Spur. Die
Forscher vom Klinikum München konnten nachweisen, daß sich mit einer
Blockade des Eiweißstoffes Interleukin 18 die chronische Darmentzündung
lindern lässt. Sie verabreichten kranken Mäusen ein Anitkörper gegen
Interleukin 18, der sich an diesen anlegte und ihn unwirksam machte. In
Deutschland leiden rund 300 Tsd. Menschen an Darmerkrankungen wie MC,
die bisher unheilbar sind.
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