www.erinngerungen-an-lars.de

 

>> Morbus Crohn
 
Da diese Seite auch über die Krankheit informieren möchte, haben wir hier einige Textpassagen der Medical World zitiert.

Zusammenfassung

Der Morbus Crohn ist eine in Schüben verlaufende chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Ursache (ätiologie) und Entstehungsweise (Pathogenese) bis jetzt noch nahezu unbekannt ist. Die Entzündung kann alle Anteile des Verdauungstraktes betreffen, am häufigsten ist sie jedoch im Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm lokalisiert. Typisches Symptom sind immer wieder auftretende Durchfälle, die von krampfartigen Schmerzen vor allem im rechten Unterbauch begleitet sein können. Bei der Mehrzahl der Betroffenen kommt es nach langjährigem Krankheitsverlauf zu Komplikationen wie Fistelbildung, Abszessen oder Darmverschluss, die häufig eine Operation erforderlich machen. Die endgültige Diagnose wird mittels Darmspiegelung, Röntgen, Ultraschall und Laboruntersuchungen gestellt. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und reicht von durchfallhemmenden Medikamenten über Kortison sowie andere entzündungshemmende und immunsuppressive Mittel bis hin zur Operation.

Ursachen (ätiologie)

Die Ursachen sind nach wie vor unbekannt. Man nimmt an, daß mehrere Faktoren zusammen wirken müssen (multifaktorielle Genese). Diese Annahme stützt sich auf folgende Beobachtungen bei Morbus-Crohn-Patienten.
  • familiäre Häufung (erbliche Veranlagung) 
  • Ernährungsfaktoren und Nahrungsbestandteile (z.B. erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten, z. B. weißer Zucker) 
  • Störung des Immunsystems 
  • psychosomatische Ursachen (Konfliktsituationen, Streß)
  • Der Einfluß von Bakterien wie z.B. durch Mycobacterium paratuberculosis von Viren wird diskutiert. 

Häufigkeit

Jährlich treten 2 bis 4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern auf. Beide Geschlechter erkranken mit gleicher Häufigkeit. Die Erkrankung befällt Personen jeden Alters, weist jedoch eine zweigipflige Häufigkeitsverteilung auf und zwar zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sowie um das 60. Lebensjahr. Es wurde sowohl eine familiäre Häufung beobachtet, als auch eine ethnische. Weiße erkranken etwa doppelt so oft wie Farbige. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Neuerkrankungen insgesamt zugenommen.

Lokalisation

Der Morbus Crohn kann alle Abschnitte des Magen-Darm-Traktes befallen, einschließlich der Speiseröhre. Bevorzugt betroffen werden: der untere Dünndarmabschnitt (terminales Ileum) in ca. einem Drittel der Fälle, der übergang zum Dickdarm (Ileokolon) in ca. 40%, Dickdarm und Analkanal in ca. 25%, andere Abschnitte eher selten (<5%). Es können gleichzeitig mehrere Darmabschnitte erkrankt sein, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind (segmentaler, diskontinuierlicher Befall).

Symptome

Das wichtigste Symptom (Leitsymptom) ist ein flüssiger bis wässeriger Stuhl (bei ca. 70% der Erkrankten), der häufig von krampfartigen Schmerzen, besonders im rechten Unterbauch, begleitet wird. Blut- oder Schleimbeimengungen im Stuhl sind eher selten. Viele Patienten zeigen einen Gewichtsverlust als Folge von Eiweißverlusten über den Darm, fühlen sich müde, abgeschlagen und haben keinen Appetit. Die Erkrankung verläuft meist schubweise mit Fieber, einem Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und einer Anämie (Verminderung des roten Blutfarbstoffes)

Diagnose

Zur Sicherung der Diagnose und Abgrenzung gegenüber anderen entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere der Colitis ulcerosa, bedarf es bildgebender und laborchemischer Untersuchungsverfahren. Dazu gehören:

  • Röntgen: Darstellung des Magen-Darm-Traktes duch Kontrastmittelfüllung
  • Darmspiegelung (Endoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) und deren feingewebliche Untersuchung (Histologie) 
  • Ultraschall (Sonographie) 
  • Laboruntersuchungen (z.B. a 1 -Antitrypsin im Stuhl) 
  • Bakteriologische Stuhluntersuchung zum Auschluß erregerbedingter Darmentzündungen 

    Bei ca. 10% der Patienten mit einem Morbus Crohn des Dickdarmes gelingt die Abgrenzung zur Colitis ulcerosa trotz umfangreicher diagnostischer Maßnahmen nicht. In diesen Fällen ergibt sich die endgültige Diagnose erst aus dem Krankheitsverlauf.

Komplikationen

Komplikationen betreffen in erster Linie den Darm. Dazu gehören:

1. Fisteln (bei ca. 30-50% der Patienten) Fisteln sind spontan entstandene Verbindungen zwischen einem Hohlorgan und der Körperoberfläche (äußere Fistel) oder einem anderen Hohlorganen (innere Fistel). Sie haben eine schlechte Heilungstendenz und können immer wieder auftreten (rezidivieren). Zeichen für eine Fistelbildung sind z.B. verschmutzte Unterwäsche, Stuhl im Urin, bei Frauen auch Stuhlabgang über die Scheide. Fisteln sind meist relativ schmerzlos. Achtung: Beim Auftreten von Fisteln ist stets an einen Morbus Crohn zu denken! 

2. Abszessbildung (bei ca. 20% der Patienten) Abszesse sind Eiteransammlungen in nicht vorgebildeten Gewebshöhlen. Abszessbildungen finden sich insbesondere im Analbereich und sind äußerst schmerzhaft. 

3. Darmverschluß (Ileus) Der Darmverschluß kann sowohl Folge einer Narbenbildung sein, als auch durch eine entzündliche Schwellung bedingt sein. Im letzteren Fall kann er sich durch eine konservative Therapie zurückbilden (siehe unten), eine Operation kann dann vermieden werden. 

4. Konglomerattumor Wenn entzündete Darmschlingen miteinander verkleben, entsteht der Eindruck einer Geschwulstbildung. Man spricht dann von einem Konglomerattumor. Dieser kann als "tastbare Walze" bereits bei der körperlichen Untersuchung auffallen. Es handelt sich nicht um eine bösartige Neubildung! 

5. Darmdurchbruch (Perforation) Die Darmperforation ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie erfordert eine sofortige Operation. 

6. Schwere Darmblutungen Die Blutverluste sind meist mit Bluttransfussionen zu beherrschen. In seltenen Fällen kann eine Operation notwendig werden. Dies muß bei Morbus-Crohn-Patienten sehr zurückhaltend erfolgen. 

Komplikationen des Morbus Crohn können auch außerhalb des Darmes auftreten, sind aber seltener, es sind dies:

  • Nieren- oder Gallensteine 
  • Gelenkentzündungen 
  • Entzündungen am Auge 
  • Entzündungen der Gallenwege (häufiger bei Männern) 
  • Hautveränderungen (Erythema nodosum) 

Therapie

Das Ziel der Therapie besteht darin, die Symptome zu mindern, die Intervalle zwischen den Krankheitsschüben zu verlängern, Komplikationen zu vermeiden und operative Eingriffe so lange als mögliche hinauszuschieben.

Die Ernährung von Morbus-Crohn-Patienten sollte kalorien- und eiweißreich, leicht resorbierbar und zuckerfrei sein. Unverträgliche Nahrungsmittel sind unbedingt zu meiden. Bei massiven Beschwerden kann eine künstliche Ernährung notwendig werden.

Die medikamentöse (konservative) Therapie beschränkt sich bei geringen Beschwerden auf die Gabe von durchfallvermindernden Medikamenten (Antidiarrhoika), z.B. Imodium. Während der Krankheitsschübe werden oft Kortikosteroide (oral oder intravenös) eingesetzt, besonders bei Befall des Dünndarms. Die Therapie mit Salazosulfapyridin (Azulfidine) kann in Form von Tabletten, Zäpfchen oder Klysmen erfolgen und wird bei Dickdarmbefall bevorzugt. Zeigt diese Behandlung keinen Erfolg, kann ein Medikament einegesetzt werden, das die Funktion des Immunsystems unterdrückt (z.B. Imurek). Ein ebenfalls gut wirksames Mittel, besonders bei Fistelbildungen und Abszessen, ist Metronidazol. Eine prophylaktische Therapie zwischen den Erkrankungsschüben sollte nicht durchgeführt werden, da ihr Erfolg bisher nicht gesichert werden konnte.

Eine psychosomatische Betreuung sollte neben der medikamentösen Therapie erfolgen und im krankheitsfreien Intervall fortgesetzt werden.

Bei ca. 80% der Patienten wird nach ca. 10 Jahren Krankheitsdauer ein operativer Eingriff erforderlich. Eine unbedingte Notwendigkeit zur Operation besteht bei einem Darmverschluß (Ileus), einem Darmdurchbruch (Perforation) und schweren Blutungen. Hier muß die Operation sofort erfolgen. Ein operativer Eingriff sollte bei Abszessen, Fisteln und Konglomerattumoren so lange wie möglich aufgeschoben werden, da die Komplikationsrate hoch ist. In jedem Fall muß bei einer Operation die Darmresektion sparsam durchgeführt werden, da eine Heilung nicht möglich ist.

Prognose

Der Verlauf der Erkrankung ist nicht vorhersehbar. Obgleich die Erkrankung nicht heilbar ist, werden mit Hilfe therapeutischer Maßnahmen ca. 60-70% der Patienten symptomfrei. Fast die Hälfte der an Morbus Crohn Erkrankten müssen mehrfach operiert werden. Ein gehäuftes Auftreten von Krebs im Dünndarm wurde berichtet. Etwa ein Drittel der Patienten wird jedoch arbeitsunfähig.

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche, meist in Schüben verlaufende Darmerkrankung, die vom Mastdarm ausgeht und sich auf den gesamten Dickdarm ausbreiten kann. Die krankheitsauslösende Ursache ist unbekannt, der Krankheitsbeginn liegt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Typische Symptome sind Durchfälle mit Schleim- und Blutbeimengungen sowie Bauchschmerzen. Daneben kann es zu Gewichtsverlust, Komplikationen von Seiten des Darmes (in 5-7%) und Entzündungen in anderen Organen kommen. Nach langjährigem Verlauf ist das Risiko der Entstehung von Darmkrebs erhöht. Die Diagnose erfolgt durch Darmspiegelung, Röntgen, Ultraschall sowie Blut- und Stuhluntersuchungen. Die Therapie besteht aus individueller Vermeidungsdiät und entzündungshemmenden Medikamenten. Bei Komplikationen kann eine Operation notwendig werden. Der Verlauf ist im Einzelfall nicht vorhersehbar, die mittlere Lebenserwartung ist jedoch nicht messbar eingeschränkt.

© A Med-World AG, Geändert am: 21.05.2001

Medical World Deutschland - jetzt Onmeda


Selbsthilfegruppen:

  • Deutsche MC / CU Vereinigung e.V. (DCCV e.V.)
    http://www.dccv.de/
    Paracelsusstr. 15
    D-51375 Leverkusen
    Telefon: (49) (0) 214 / 87608 - 0
    Telefax: (49) (0) 214 / 87608 - 88
    Montag 9 - 12 Uhr
    Dienstag-Donnerstag 15-17 Uhr
    E-Mail: info@dccv.de
     
  • Selbsthilfegruppe Tönisberg: MC & CU
    http://www.crohncolitis.de
    Rheurdter Straße 41, 47647 Kerken
    Telefon: (49) (0) 2833 / 601687
    Telefax: (49) (0) 2833 / 601689
    email: hj.nagel@t-online.de
  • Wegen der Adressen von Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe wenden Sie sich bitte an:

    Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
    Albrecht-Achilles-Straße 65D
    10709 Berlin
    Telefon: (49) (0) 30 / 89 1 40 19
    Telefax: (49) (0) 30 / 8 93 40 14
    Di. Mi. Fr. 9-13 Uhr, Do. 13-17 Uhr
    http://www.nakos.de 

Aktuelle Meldung

  • Intelligente Pille ermöglicht gezielte Behandlung (12.11.2008)
    Entwicklung verspricht auch Vorteile für Arzneimittelentwicklung
    http://www.pressetext.com/pte.mc?pte=081112023 - oder PDF-Download
     
  • Endoskopie des Dünndarms mit der drahtlosen Videokapsel
    http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=33843 - oder PDF-Download
    http://www.kapselendoskopie.de/
     
  • Stillen halbiert Darmentzündungs-Risiko
    Stillen senkt deutlich das Risiko des Kindes, später an chronischen Darmentzündungen zu erkranken. Menschen, die als Babys gestillt wurden, erkranken laut einer neuseeländischen Studie um 50 % seltener an Morbus Crohn als Kinder, die per Flasche ernährt wurden. Je länger die Stillzeit dauerte, desto geringer war die Erkrankungsgefahr. Die Forscher vermuten, dass Kinder mit der Muttermilch schützende Bakterien aufnehmen. 400 Patienten mit der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn wurden für die Studie untersucht. (Teletext im Ersten 27.07.2004)
     
  • Die regelmäßige Einnahme eines Parasiten-Cocktails kann entzündliche Darmerkrankungen lindern. Erste klinische Tests haben den Erfolg der ungewöhnlichen Therapie bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bestätigt. Die Beschwerden gingen bei Morbus Crohn-Patienten in den USA um bis zu 70 Prozent zurück, berichten Wissenschaftler von der Universität Iowa. 

    Die Wurmdiät bestehe aus Eiern des Schweine-Peitschenwurms. Offenbar hielten die Parasiten das Immunsystem davon ab, überaktiv zu werden. Die Behandlung sei ungefährlich, so die Ärzte. (Teletext im Ersten 17.04.2004)
     
  • Die Ursachen für die unheilbare chronische Darmentzündung MC sind noch immer unbekannt. Französische Forscher vermuten jetzt, dass Kühlschränke schuld sind. Denn dadurch kommen wir leichter mit kälteresistenten Bakterien aus Lebensmitteln in Berührung. Linderung verspricht eine Substanz, die z. Zt. getestet wird. Sie hindert die Immunzellen daran, in den Entzündungsprozess einzugreifen und ihn zu verstärken. (Guter Rat Nr.3/04 - Seite 67)
     
  • In Deutschland erkranken jährlich 800 Kinder an der entzündlichen chronischen Darmkrankheit Morbus Crohn. Ein möglicher Grund dafür sei der hohe Hygiene-Standard in den westlichen Industrieländern, sagte der Sprecher der Vereinigung Morbus Crohn, Schürer. Dadurch werde wahrscheinlich das Immunsystem geschwächt. Zudem kann die Krankheit durch einen Gendefekt ausgelöst werden. Betroffen sind laut Schürer deutschlandweit etwa 300.000 Menschen. (cu-info.de - 26.04.02)
     
  • Die chronische Darmkrankheit Morbus Crohn wird offenbar durch bakterielle Entzündungen begünstigt. Kolibakterien nutzen nach einem Bericht der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) den Rezeptor CD55 im Darm als Einfalltor. Das Eindringen der Bakterien führt zu einer Abwehrreaktion, die schließlich chronische Entzündungen hervorruft.
    Die Krankheit ruft schmerzhafte Entzündungen vor allem im unteren Darmabschnitt hervor, begleitet von Durchfall, Gewichtsverlust und Müdigkeit. (ARD - Videotext 05.02.02)
     
  • Münchner Wissenschaftler sind einem Erfolgversprechenden Ansatz zur Therapie von MC auf der Spur. Die Forscher vom Klinikum München konnten nachweisen, daß sich mit einer Blockade des Eiweißstoffes Interleukin 18 die chronische Darmentzündung lindern lässt. Sie verabreichten kranken Mäusen ein Anitkörper gegen Interleukin 18, der sich an diesen anlegte und ihn unwirksam machte. In Deutschland leiden rund 300 Tsd. Menschen an Darmerkrankungen wie MC, die bisher unheilbar sind.