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>> Morbus Crohn aus der Sicht von Lars
 
Bericht über meinen Krankheitsverlauf (von Lars, geb.11.08.81 gest.17.02.01)

Es begann alles vor etwa 2 Jahren. Ich verlor in kurzer Zeit 10-15 kg an Gewicht. Dann ging es mir wieder etwas besser. Bei einer Routineuntersuchung wurde bei mir die chronische Krankheit Morbus Crohn festgestellt. In den nächsten Monaten nahm ich immer mehr ab, bis es im Sommer 2000 sehr ernst wurde. Bis zu meinem Abiturball im Juli ging es mir noch einigermaßen gut. An diesem Abend aß ich für meine Verhältnisse sehr gut, doch als wir 2 Wochen später bei einem Freund selbstgemachte Pizza aßen, war das der letzte Abend an dem ich keine Schmerzen hatte.

Von da an hatte ich ständig starke Bauchschmerzen, die nicht mehr weggingen. Es wurde immer schlimmer, bis ich nur noch von schmerzlindernden Medikamenten lebte. Ich hatte am 1. Oktober 2001 mein Studium bei AMD Dresden begonnen. Doch so richtig freuen konnte ich mich nicht, da ich wahnsinnige Schmerzen am Steiß, Bauch und sämtlichen Gliedern hatte. Nach 2 Wochen wurde ich Krank geschrieben, da ich nicht mehr in der Lage war, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Von da an habe ich Gedankenlücken. Ich weiß nur noch, daß meine Mutter den Rettungsdienst angerufen hatte und sie mich abgeholt haben. Ich sah noch wie meine Mutter mich zum OP begleitet hatte und dann sind 2 Wochen weg, von den ich nichts weiß, da ich im Koma gelegen habe. Am 6.11.2000 wacht ich aus dem Koma wieder auf und ich wußte nicht, wie schlimm es um mich stand. Die nächsten 4 Tage waren die schwersten, da ich mich ständig übergeben mußte. Nach einer Woche wurde ich auf die Chirurgische Abteilung verlegt. Ich habe in den nächsten Wochen noch viele CT und Operation über mich ergehen lassen müssen, aber ich wollte unbedingt Weihnachten zu Hause verbringen. Am 15.12.00 durfte ich das erste mal wieder nach Hause.

Ich wußte, daß es nicht für immer ist, aber ich durfte Heilig Abend bei meiner Familie sein.
 
Am 1. Feiertag mußte ich leider wieder eingeliefert werden, da mein ganzer Bauch voll Eiter war. Ich wurde wieder operiert. Silvester durfte ich dann noch mal kurz nach Hause, doch am 5.01.01 wurde wieder eine Notoperation durchgeführt, da sich wieder Eiter im Bauch gebildet hatte. Inzwischen war ich auf ein Gewicht von 38 kg (bei 1,80 m Körpergröße) abgemagert. Ich kann mich nicht mehr ansehen. Die nächsten 2 Wochen war es eine ständige Berg- und Talfahrt mit meiner Krankheit. Mal ging es mir besser, dann wieder schlechter. Ich mußte weitere Operationen und schmerzhafte Untersuchungen über mich ergehen lassen. Das einzig gute daran war, daß ich jetzt eine Powerernährung bekam und ich innerhalb von 2 Wochen fast 8 kg zunahm.

Da enden die Aufzeichnungen von meinem Sohn.

Ich möchte nur kurz erzählen wie es weiter ging.

Er bekam am 2.02.01 über 40,7 Fieber und es ging nicht mehr weg. Er kam nach weiteren 2 Operation auf die Intensivstation. Nach 3 Tagen wurde er wieder ins künstliche Koma gelegt, da er wahnsinnige Schmerzen am ganzen Körper hatte. Vom Arzt kam die Diagnose Blutvergiftung und Lungenentzündung. Er bekam viele Medikamente, die sich nun auf Leber und Nieren legten. Desweiteren erhielt er noch einen Luftröhrenschnitt. Doch leider konnte der so stark geschwächte Körper von Lars diesen erneuten Rückschlag nicht mehr verkraften und er schlief für immer ein.

Das diese Krankheit so schlimm verlaufen kann, hat uns niemand gesagt. Es war für uns die schmerzlichste Erfahrung, die man je machen kann.

Ich möchte aber auf diesem Weg anderen Betroffenen (vor allem jungen Leuten) Mut machen weiter zu kämpfen, da sie noch eine Chance haben. Desweiteren möchte ich jedem Erkrankten raten, nicht so lange zu warten, wie Lars. Er hat die schwere der Krankheit unterschätzt. Außerdem hatte er furchtbare Angst vor einer Operation, und diese konnte ich auch als Mutter nicht nehmen. 

Ich würde mich freuen, wenn mir vielleicht junge Leute oder auch Eltern, die ihr Kind durch diese Krankheit verloren haben, schreiben würden. Es wäre mir ein sehr großer Trost und würde mir über den schmerzlichen Verlust meines Sohnes Lars helfen, da ich es bis heute noch nicht glauben kann, das er nicht wieder nach Hause kommt.