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>> Morbus Crohn aus der Sicht der Mutter
 
Alles begann im Frühjahr 1999. Lars wurde mit Blinddarmverdacht ins Krankenhaus überwiesen. Ich konnte ihn am gleichen Tag wieder abholen, da sich der Verdacht nicht bestätigte. Seine Bauchschmerzen gingen auch wieder weg und es war für uns erledigt. 

Im September 1999 mußte Lars eine Einstellungsuntersuchung für eine Bewerbung beim Arzt machen lassen. Dieser stellte bei der Untersuchung eine Verdickung im Darm fest. Darauf hin mußte bei Lars eine Darmspieglung gemacht werden. Da auch hier keine eindeutigen Ergebnisse herauskamen, bekam Lars eine Überweisung in ein Spezialkrankenhaus. Im Dezember war es dann soweit. Er mußte für eine Woche viele schmerzhafte Untersuchungen über sich ergehen lassen. Das Ergebnis war: Lars hatte „Morbus Crohn“. Keiner wußte was das für eine Krankheit war. Im Lexikon steht: 

MC ist eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut und der Darmwand, die Narben erzeugt und dadurch leicht Fisteln bildet. Es kann der gesamte Verdauungstrakt, vom Mund bis zum After, betroffen sein. Diese Krankheit beginnt meistens im frühen Erwachsenenalter. Beschwerden sind krampfartige Bauchschmerzen, Durchfälle und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Gewichtabnahme, immer wiederkehrendes Fieber und Gelenkschmerzen sind typische Anzeichen. Außerdem verläuft diese Krankheit in Schüben mit Ruhephasen. 

Die Ursachen sind ungeklärt. Die Krankheit ist unheilbar. 
 
Diese Diagnose war für uns alle ein Schock. Lars mußte von nun an starke Medikamente nehmen. Er nahm immer mehr ab, da er kaum noch etwas essen konnte. Er gab sich viel Mühe, aber er konnte einfach so gut wie nichts mehr zu sich nehmen. Im Februar 2000 mußte Lars zu einer erneuten Untersuchung ins Krankenhaus. Die Entzündung am Dünndarm hat sich nicht verbessert. Der Darmdurchgang war nur 5mm groß (normal 4-5cm). Er mußte weiter seine Medikamente nehmen und bekam einen neuen Termin für Juli. In dieser Zeit ging es Lars noch nicht so schlecht. Er hatte immer mal ein paar Tage wo es ihm besser, dann wieder Tage wo es ihm schlechter ging. Seine Bauchschmerzen gingen aber gar nicht mehr weg. Da es eine Krankheit ist, die in Schüben verläuft, hofften wir immer, daß er nun bald das schlimmste überstanden hat und nun bald mal die Ruhephase eintritt. Als Lars im Juli zur Untersuchung war, hatten die Ärzte ihm eine Operation vorgeschlagen. Da aber die Ergebnisse nicht schlechter als vorher waren, wollten wir erst mal davon absehen. (Nach Rat von der SHG, da bei dieser Krankheit im laufe der Jahre oft mehrmals operiert werden müßte und der Darm nur eine begrenzte Meterzahl hat) 

Lars nahm weiterhin seine Medikamente und hatte ständig gute und schlechte Tage. Seine letzten Sommerferien verbrachte er fast nur noch in der Wohnung, da er für Aktivitäten ganz einfach keine Kraft mehr hatte. Nun kamen auch noch die schlimmen Gelenkschmerzen hinzu. Lars konnte nicht mehr sitzen und bekam einen Steißring. Was er tatsächlich für Schmerzen hatte, werde ich nie erfahren, da Lars nie darüber gesprochen hatte. Im Oktober 2000 war es dann so schlimm, daß er nur noch mit sehr starken Schmerzmitteln über den Tag kam. Am 30. Oktober habe ich Lars dann ins Krankenhaus einweisen lassen, da er gar nichts mehr essen konnte und er es vor Schmerzen nicht mehr aushielt. Lars kam sofort auf die Intensivstation und wurde für eine Notoperation vorgesehen, da keine Untersuchungen in diesem schlechten Zustand möglich waren. Das Ergebnis war Darmverschluß und ein komplett vereiterter Dünndarm. Lars wurde ins künstliche Koma gelegt, weil er die Schmerzen sonst nicht verkraftet hätte. Es begann eine sehr schlimme Zeit. Immer wieder hoffen auf Besserung und immer wieder enttäuscht. Lars mußte noch viele OP und schmerzhafte Untersuchungen über sich ergehen lassen, bis ich ihn am 15.12.2000 nach Hause holen durfte. Lars wog noch 38 kg (bei 1,80m) und konnte nur noch im Rollstuhl sitzen. Aber er wollte Weihnachten zu Hause sein. Die gute Phase hielt genau 8 Tage an. Am 25.12.00 mußte ich Lars wieder ins Krankenhaus bringen, da wieder der ganze Bauch voll Eiter war. Am 30.12.00 konnte ich Lars noch einmal für 4 Tage mit nach Haus nehmen. Das waren die letzten Tage. Nach einer erneuten OP am 05.01.01 ging es Lars etwas besser. Er bekam Zusatznahrung und kam wieder auf ein Gewicht von 50 kg. Das war eine Riesenfreude, doch die sollte nur kurz anhalten. Nach wieder vielen Op`s und Untersuchungen verschlechterte sich wieder sein Zustand. Er bekam Fieber von 41 Grad und es ging nicht mehr weg. Der Arzt sagte mir, Lars hat Bakterien im Blut und diese legen sich bei ihm auf die Lunge. Auch ein Luftröhrenschnitt konnte Lars nicht mehr helfen. In der Nacht vom 17.02.01 um 22.53 Uhr schlief Lars für immer ein. 

Auf diesem Wege möchte ich mich auch noch einmal bei all seinen Freunden, die ihn im Krankenhaus besucht und ihn immer wieder aufgemuntert haben, bedanken. Für Lars war es die schlimmste Vorstellung das er allein gelassen wird und niemand kommt. Es hat ihn über die so schwere Zeit sehr geholfen.